Ernst Lewek

Ernst Lewek mit seinen Eltern

Ernst Lewek war ein verfolgter Pfarrer an der evangelisch lutherischen Kirchgemeinde St. Nikolai zu Leipzig, an der er von 1926 – 1938 diente. Geboren wurde er am 18.12.1893 als Sohn des Goldschmieds Joseph Lewek, welcher ein Jude war. Daher galt Ernst Lewek zu Zeiten des NS-Regimes als „Halbjude“ beziehungsweise „Nichtarier“.

Er begann sein evangelisches Theologiestudium 1913 an der Universität Heidelberg. Sein Studium wurde durch den ersten Weltkrieg unterbrochen, bei dem er als Soldat an der Westfront stationiert war.

Im Mai 1915 wurde er schwer verwundet und trug dabei eine lebenslange Versteifung des linken Schultergelenks davon. Diese Verwundung brachte ihm die Bescheinigung, dass er für den Felddienst untauglich war und damit konnte er sein Theologiestudium an der Universität Leipzig fortsetzen.

Ernst Lewek in Uniform

Mit Abschluss des Studiums bekam er eine Stelle als Pfarrer in der Stadtkirche Radeberg bei Dresden. Am 21. Februar 1918 heiratete Ernst Lewek die Pfarrerstochter Dora Elisabeth geboren Richter. Zusammen bekamen sie 8 Kinder, wobei 1 Sohn im Kindesalter verstarb. Seine Erste Pfarrstelle bekam er an der Lutherkirche in Plauen, an der er bis 1925 diente. Im Jahre 1926 wechselte er an die Nikolaikirche in Leipzig. Zeit seines Lebens übernahm er soziale und später auch politische Verantwortung. Mit der Übernahme des Arierparagraphen in die evangelische Kirche begann für Ernst Lewek, sowie andere „nicht arische“ Pfarrer, die nationalsozialistische Verfolgung. Aus dieser Übernahme ging eine Spaltung der evangelischen Kirche in die „Bekennende Kirche“ und die „Deutschen Christen“ einher.

Ernst Lewek war sowohl Mitglied der Bekennenden Kirche als auch des Pfarrernotbundes, der durch den Theologen Martin Niemöller gegründet wurde. Die Folge des Arierparagraphen war die Zwangsbeurlaubung Ernst Leweks am 01.07.1933. Am 31.03 1935 wurde Pfarrer Lewek im Anschluss an einen Gottesdienst in Leipzig in Gewahrsam genommen. Grund für diese Inhaftierung war die Verlesung einer verbotenen Kanzelabkündigung. Lewek und weitere Pfarrer in Leipzig und Umgebung widersetzten sich diesem Verbot und bewiesen damit ihre Zivilcourage und ihren Mut. Einen Monat später am 18. April 1935 wurde er im Anschluss an seinen Gefängnisaufenthalt in Leipzig in das Konzentrationslager Sachsenburg verlegt, aus dem er am 26. Mai 1935, also nach mehr als einem Monat Aufenthalt, wieder freigelassen wurde. Ab 1935 wurde er mehrfach dem Dienst enthoben, aber aufgrund seines Frontkämpferprivilegs erreichte er immer wieder eine erneute Einstellung. 1938 wurde er erneut des Amtes suspendiert, bevor am 01.10.1939 der dauernde Wartestand für ihn ein.

Aufgrund eines erneuten Aufbegehrens erreichte Ernst Lewek 1940 die Versetzung in eine neue Pfarramtsstelle im ev.-luth. Kirchenverband Leipzig. Allerdings wurde im 1940 auch die Pfarramtswohnung auf dem Nikolaikirchhof gekündigt und die Familie sah sich gezwungen umzuziehen. Von 1940 – 1944 fehlt es leider an Informationen und Übermittlungen. 1944 nahm die Verfolgung Ernst Leweks aber wieder zu und so wurde er 1944 in das Zwangsarbeitslager Osterode interniert, aus dem er 1945 befreit wurde. Nach 1945 wurde Ernst Lewek in Kirchenkreisen nicht rehabilitiert und wurde auch nicht wieder in St. Nikolai als Pfarrer eingesetzt. Ab 1945 konzentrierte er sich mehr auf die politische Arbeit wie beispielsweise mit der Gründung der CDUD in Sachsen und als Mitglied des sächsischen Landtags von 1945-1952.

1953 wurde er in den Kirchenvorstand von St. Johannis einberufen, bevor er am 08.11.1953 starb.


Bilder und Text Henry Lewkowitz, Erich-Zeigner-Haus e.V. Leipzig
Weiter Informationen:
Das Leben und Wirken von Friedrich Ernst Lewek
zum kirchenpolitischen Umgang mit dem „nichtarischen“ Amtsbruder während der NS-Diktatur in Leipzig
Hrsg.: Erich-Zeigner-Haus e.V. und Verein zur Förderung der Nikolaikirche e.V. ISBN 978-3-943150-15-5
stolpersteine-leipzig.de/index.php?id=302
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