Tor

Das Tor grenzte das KZ Sachsenburg von der Außenwelt ab. Seit 1933 war es der Zugang zum dahinter befindlichen Lager. Wann der Ausbau des Tores mit Beton erfolgte, ist nicht belegbar.

Die Bilder zeigen das Tor 1934 sowie eine Wachablösung der SS. Sie stammen aus dem Fotoalbum des Kommandanten Karl Otto Koch.
Quelle: Sammlung Stiftung Sächsische Gedenkstätten.

Die ankommenden Häftlinge mussten das Tor passieren und waren ab da den Schikanen der SA und SS ausgesetzt:

Nachdem ich in das Lager hineintrat, rief mir ein Posten der SS zu: „Aha, der feine Herr aus Meißen.“ Mit den Händen im Genick liefen wir auf eine Gruppe von Männern zu, die in Reih und Glied mit dem Gesicht zur Wand standen. Es durfte keiner wagen, die Hände nach unten zu nehmen. Mehrere SS-Posten standen mit aufgepflanztem Bajonett hinter uns und brachten uns die ersten Verhaltensmaßregeln des Lagers bei. 1 ½ Stunden standen wir dort und wurden dann über den Hof in Richtung eines Stallgebäudes in Gruppen geführt. Dort wurden jedem im knien die Haare kurz geschnitten. Nach dieser Prozedur musste sich jeder schnellsten wieder zur Gruppe zurückbegeben. Hände wieder in’s Genick, ging es zum Fotografieren.

Kohlsche, Kurt: So war es! Das haben sie nicht gewusst. S. 40.

Das Tor mussten die täglich ausrückenden Außen-Kommandos, wie das Steinbruch-Kommando oder das Straßenbau-Kommando passieren. Doch auch die in der ersten Zeit möglichen Besuch durch Familienangehörige mussten durch das Tor in das Lager eintreten.

Rosemarie Sacke erinnert sich 1995 an den Besuch ihres Mannes im KZ Sachsenburg 1935. Dies war überraschend möglich gewesen, da die Verurteilung ihres Mannes kurz bevor stand. Georg Sacke (1902 bis 1945) war von 1934 bis 1935 im Gefängnis Münchner Platz und KZ Sachsenburg inhaftiert worden:

Zum Erstaunen meiner Freunde erhielt ich die ganz unübliche Besuchserlaubnis. Am Lagertor empfingen mich zwei Bewacher – werden wohl SA-Leute gewesen sein –, die bis zum Verlassen des Lagers nicht verließen. Ich wurde in der Nähe des Tores in einen kahlen Raum geführt und musste dort auf Georg warten. Schließlich kam er – ebenfalls begleitet von zwei Wachleuten – und ich erkannt ihn kaum wieder: das schöne helle Haar abgeschoren, kein Hemd, nur ein grauer sackartiger Kittel, graue Hosen, nackte Füße, Holzpantinen. Er benahm sich völlig unbefangen, ich kriegte angesichts der vier Wächter kaum ein Wort heraus. Ich war bloß froh, dass er offensichtlich gesund und guten Mutes war.

Rosemarie Sacke: Georg Sacke in Erinnerungen. Handschriftliches Manuskript. 1995, S. 55f. Zit. nach Hölzer, Volker: Georg und Rosemarie Sacke. Zwei Leipziger Intellektuelle und Antifaschisten. Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen 2004, S.177f.

Lieber Georg,
ich sitze im Zug u. werde gleich zu Dir fahren. […] Der Zug schüttelt so schrecklich u. ich freue mich so sehr. Da kann ich gar nicht weiter schreiben. Auf der Heimfahrt wird es besser gehen. – Nein, es geht nicht besser. Nun sind die wenigen Minuten, auf die ich mich 5 Tage lang gefreut habe, schon wieder vorbei. […] Wenn man in die Nähe eures Lagers kommt, hört man immer das Singen. Das macht einen sehr seltsamen Eindruck.

Brief von Rosemarie Sacke an ihren Mann vom 8. September 1935,
Hölzer, Volker: „…Georg ist unschuldig…“ Der Haftbriefwechsel von Rosemarie und Dr. Georg Sacke 1934/1935. Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen 2007, S.145.

Jedoch auch die Lieferanten des Lagers erhielten durch das Tor Zutritt zum Lager. Damit steht das Tor auch beispielhaft für die Außenwahrnehmung des Lagers.

Nach 1937

Tor Sachsenburg nach 1937
Auf den Bildern des späteren Fabrikbesitzers Bruno Tautenhahn kann man nach wie vor das Tor sehen. Quelle: Kopie LAG KZ Sachsenburg, Originale: Marcel Hett

Nach 1945

Während der DDR-Zeit wurde das Tor vermutlich abgerissen und weiter nach vorn versetzt. Der ehemalige Standort des Tores wurde 2012 durch eine Kiesspur im Rahmen der Workshopwoche 2.0 markiert.