Kommandantur und ehemalige Arrestzellen

Im Gebäude der ehemaligen Kommandantur befinden sich insgesamt vier Arrestzellen. Hier wurden Häftlinge von 1933 bis 1937 eingesperrt und gefoltert.

Dass von Beginn an Arrest vorgesehen war, belegen die vorläufigen Bestimmungen über die Errichtung und Verwaltung von Konzentrationslager vom August 1938. Hier wird der Arrest von bis zu vier Wochen als eine „Lagerstrafe“ angeordnet.

Bestimmungen über die Errichtung von Konzentrationslagern
Auszug aus den Vorläufigen Bestimmungen über die Errichtung und Verwaltung von Konzentrationslagern und Arbeitslagern in der Fassung der Verfügung des Landeskriminalamtes vom 5.8.1933
Quelle: StA Chemnitz: AH Flöha 30044, Nr. 2392, Bl. 8, Repro: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz

Der Wechsel der Wachmannschaften 1934 im Zuge der Übernahme durch die SS hatte drastische Auswirkungen auf die Situation der Häftlinge. Die Deutschlandberichte der SPD (kurz: Sopade) melden 1935:

Die Schutzhaft ist strenger geworden und das besonders im Konzentrationslager Sachsenburg.

Deutschland-Berichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (Sopade) 1934 – 1940. Zweiter Jahrgang 1935. 4.Aufl. Frankfurt a. M. 1980, S. 371, März 35.

Auch Hugo Gräf beschreibt in der Arbeiter Illustrierten Zeitung die drastischen Veränderungen: Die Besuchszeiten und die Lebensmittelsendungen wurden verboten, die Arbeitszeit verlängert, fünf mal täglich Appell angesetzt und die Häftlinge müssen Toilettenartikel, Rauch- und Esswaren in der Kantine kaufen, an deren Gewinn sich die SS bereicherte. Er beschreibt, dass es kaum noch Bewegung gab und zusätzlich elf Arrestzellen in der Fabrik gebaut wurden, in denen sogenannte Hausstrafen, wie 1 bis 42 Tage Bunker, Dunkelzelle oder Krummschließen in der Zelle oder Stockhiebe zur Anwendung kamen.

Am 1. April wird die Prügelstrafe eingeführt und am 8. Mai 1935 erstmals ausgeführt. Sie wird nach dem Zählappell vollzogen und später auch mithilfe eines eigens dafür gefertigten Prügelbocks. Laut Gräf kommen von August 1934 bis Ende 1935 20 Häftlinge durch Folter zu Tode. Außerdem sind in dieser Zeit 35 Selbstmordversuche und 350 Gefangene mit schweren Schäden zu verzeichnen.

So wird in diesem Zusammenhang immer wieder von Max Sachs berichtet, der vor seiner Inhaftierung Chefredakteur der Volkszeitung war. Nachdem er 14 Tage schikaniert und gefoltert wurde, verstarb er an Herzversagen. Ähnlich erging es Bruno Kießling, ein Schneider und politischer Häftling, der im Alter von 41 Jahren verstarb. Sein Leichnam wurde als besondere Demütigung der trauernden Häftlinge und Angehörigen auf einem Ackerwagen aus dem Lager gebracht.

Seit 1945

Als eine Gedenkstätte in der Fabrik eingerichtet wurde, waren die ehemaligen Zellen ein Ort der Erinnerung und des Gedenkens.

Sie gerieten jedoch immer mehr in Vergessenheit und wurden von den Bewohnern des Hauses als Keller umfunktioniert.

Heute sind vier ehemaligen Arrestzellen zugänglich. Die Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg hat dort einen kleinen Erinnerungsraum eingerichtet.