Areal hinter der Villa

Die drei damaligen Häftlinge Georg Laudel, Walter Rothe und Anton Schmutzler. Im Hintergrund sieht man eine große Gruppe von Menschen, welches auf einen Besuchstag schließen lässt. Datiert auf Mai 1933.
Quelle: LAG KZ Sachsenburg

1933 bis 1934

Im Bereich hinter der Kommandantenvilla befand sich zunächst nur der Sportplatz. Hier wurden bis 1937 alle Häftlinge, die unter 30 Jahre alt waren, täglich im „Sportkommando“ gequält.

Außerdem muss sich hier auch die „Besucherwiese“ befunden haben. So war es den Häftlingen in der ersten Zeit des Lagers gestattet aller zwei Wochen am Sonntag Besuch zu empfangen.

1934 bis 1937

Kurz nach der Übernahme des Lagers durch die SS im August 1934 planten die Kommandanten den Bau eines Schießstandes.

Am 17. Oktober 1934 meldete die Lagerleitung des Schutzhaftlagers der Amtshauptmannschaft Flöha, dass der Schießstand erbaut sei. Sowohl der Bürgermeister, als auch der Förster und ein „Schießsachverständiger des SS-Sonderkommandos Dresden“ haben den Schießstand besichtigt.
Der Schießstand nahm einen großen Teil der hinter der Villa liegenden Wiese ein und musste über den Werkgraben hinweg gezogen werden, da der Platz sonst nicht ausgereicht hätte.

Dort befand sich jedoch bereits der Wald, der auch für die Bevölkerung zugänglich war. Um die Sicherheit zu gewähren, verbot die Forstverwaltung die Begehung des Werkgrabenufers.

Aus den Planungsunterlagen geht hervor, dass der Schießstand für die Ausbildung der Wachmannschaften angelegt wurde. So müssen im Schießstand Schulschießen und Gefechtsschießen möglich gewesen sein.

Die militärische Ausbildung der Wachmannschaften erfolgte unter Max Simon. Er war zudem Führer der Wachtruppe, die im Oktober 1934 bereits SS-Wachtruppe KL Sachsensburg hieß.

Der Schießstand zeigt auf, welche Ziele die Kommandanten und der Führer der Wachtruppe verfolgten. Einerseits sollten hier geeignete Wachmänner ausgewählt und in ihren Karrieren gefördert werden. Andererseits sollten die Wachmänner durch die harte Ausbildung zu einem rücksichtlosen und brutalen Vorgehen gegen die Häftlinge erzogen werden. Für die Häftlinge, die den Schießstand erbaut hatten und täglich die zum Schießstand aufmarschierenden Einheiten gesehen haben, musste dies abschreckend und brutal wirken.

Kurt Kohlsche (Link Biografie) erinnert sich an die brutalen Wachmannschaften:

Die Greuel gegen die jüdischen Häftlinge wurden auch immer schlimmer. Die neu hinzukommenden SS-Posten waren zu den scheußlichsten Gemeinheiten fähig. Sie selbst wurden, wenn sie Dienst hatten, sehr hart rangenommen und sie glaubten dann, ihr Erlerntes bei ihrem Dienst im Lager an uns Häftlingen in verstärktem Maße an uns auslassen zu müssen. Sie hatten sich natürlich das Ziel gesetzt, so schnell wie möglich bei der SS vorwärts zu kommen und schreckten daher auch nicht vor den größten Gemeinheiten zurück, die Häftlinge als Mittel für ihre Zwecke zu benutzen. Sie waren der Annahme, je brutaler sie zu den Häftlingen seien, um so größer die Chance der Beförderung.

Kohlsche, Kurt: So war es, das haben sie nicht gewusst. S. 50.

Unmittelbar bei der Villa muss sich auch ein Steinhaufen befunden haben. Hier wurden insbesondere das Judenkommando durch die Wachmänner gequält und gedemütigt.

Das Judenkommando musste Steine klopfen und Jauche fahren. Der Frauenarzt Dr. Boas saß schon seit 2 Jahren an diesem Steinhaufen. Er war nur noch ein menschliches Wrack, dass Irre vor sich hin glotzte und zur Begleitung seiner Arbeit von früh bis abends die Worte ‚ich bin der Dr. Boas aus Crimmitschau das gottverfluchte Judenaas, die Judensau‘ sagen musste. Die Juden hatten vollkommen vereiterte Hände. Wollten sie sich verbinden lassen oder eine Notdurft verrichten, dann mussten sie auf allen Vieren die mächtige Steinhalde hinaufklettern, um an der anderen Seite Kopf voran wieder hinunterzurollen.

Bundesarchiv Berlin DP 3 1817; Bericht über das KZ Sachsenburg, Abschrift o. D. zit. Nach Merkl, Franz: General Simon. Augsburg 2010, S. 83.

Hier quälte man auch Max Sachs (Link Biografie). Er musste mit einem schweren Hammer die Steine des Steinhaufens zerkleinern und sobald er vor Erschöpfung zusammensank, wurde er mit Wasser übergossen und zum Weitermachen angetrieben. Abends wurde er in einem Schubkarren auf den Appellplatz gefahren. Man quälte und folterte ihn über zwei Wochen hinweg, bis er schließlich an Herzversagen verstarb.

Ab 1937

Nachdem das KZ Sachsenburg aufgelöst wurde, verkaufte man die Fabrik das Gelände an Bruno Tautenhahn. Dieser errichtete auf dem Gelände hinter der Villa einen Garten. Außerdem wurde ein Freibad gebaut.

Die Bilder zeigen den Umbau und die Neugestaltung des Geländes nach 1937.
Quelle: Kopie LAG KZ Sachsenburg, Originale: Marcel Hett

Ab 1945

Zur Nutzung dieses Teils des Geländes gibt es keine konkreten Informationen. Der Sportplatz und das Freibad bestehen bis heute bestehen wurden wahrscheinlich immer von den EinwohnerInnen Sachsenburgs und Umgebung genutzt.