Hans Riedel

Hans Riedel. Hochzeitsbild von 1930. Quelle: Gisela Heiden

Hans Riedel wurde am 31.05.1907 als 11. Kind von 12 geboren. Der Vater war Schmiedemeister und starb bereits 1918. Die Mutter verstarb 1938. Hans Riedel lernte Besteckschleifer in der Firma Auerswald in Grünhain. 1922 wurde er Mitglied im Arbeitersportring, spielte aktiv Fußball und war im Radsport aktiv. 1923 gründete er mit Jugendfreunden im Heimatort den kommunistischen Jugendverband. 1923 bis 1927 war er im Metallarbeiterverband, 1926 wurde er wegen Verbreitung von kommunistischen Flugblättern entlassen.

Ab 1927 war Hans Riedel Mitglied der Roten Gewerkschaft. Hier bestand die Hauptaufgabe darin Versammlungen und Demonstrationen abzusichern. 1930 wurde er in die KPD und in die Rote Hilfe aufgenommen. Die Rote Hilfe Deutschland war ein Verein, der sich für die Unterstützung verfolgter oder inhaftierter Kommunisten und Gewerkschafter einsetzte. Im September 1930 überfiel die SA das Arbeiterheim in Bermsgrün/Erzg.. Durch den Überfall gab es viele Verletzte und Gefangene.

1930 heiratete Hans Riedel und machte eine Umschulung zum Bäcker. Weil er Mitglied in der KPD war, wurde er nicht zur Gesellenprüfung zugelassen.

Von der Ortsgruppe der KPD erhielt Hans Riedel 1932, in einer politisch sehr unruhigen und aufgeheizten Situation Waffen und den Auftrag Aufmärsche und Kundgebungen abzusichern. Die Waffen versteckte er in der familiären Bäckerei. Ebenfalls 1932 gründete er die kommunistischen Kinderpioniere und leitete selbst 25 Kinder. Außerdem war er Leiter der Gruppe Antifa und organisierte Flugblattaktionen. Anfang Januar 1933 wurde er unter Bewachung der SA gezwungen Wahlplakate und den Schriftzug „KPD

Rotfront“ und Hammer und Sichel, der sich an der örtlichen Eisenbahnbrücke befand, zu entfernen. Die Beschriftung ging jedoch nicht ab, sondern wurde durch das Säubern nur noch deutlicher sichtbar.

Noch im Februar 1933 veranstaltete die KPD auf dem Markt in Schwarzenberg einen großen Aufmarsch. Im März 1933 war die erste große Verhaftungswelle und Hans Riedel wurde von Februar bis März 1933 im Schloss Schwarzenberg inhaftiert. Anfang April 1933 wurde Otto Hempel, ein bekannter Kommunist, verhaftet. Darauf hin bekam Hans Riedel den Befehl von der Partei ins Exil zu gehen. Weil man hoffte, doch noch vor Ort Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisten zu können wurde dieser Befehl im Juni 1933 zurückgenommen und man forderte die Parteimitglieder auf in die Orte zurück zu gehen, zu den verbliebenen Parteimitgliedern Kontakt aufzunehmen und illegale Widerstandsarbeit zu organisieren.

„Mein Erscheinen fiehl der SA im Ort sofort auf und ich mußte mich 3x am Tag bei der Polizei melden und ab 20 Uhr durfte ich das Haus nicht mehr verlassen. Mehrere Hausdurchsuchungen folgten, nach der Durchsuchung im September 1933 mußte ich auf die Polizeiwache mitkommen. Von dort aus wurde ich nach Leipzig ins Polizeigefängnis gebracht, nach 14 Tagen Einzelhaft kam ich in die Wächterstrasse- Gestapohaft. Dann wurde meine politische Haft in Schutzhaft umbenannt und es ging von Colditz nach Sachsenburg. Hier wurde ich der sogenannten Sportkompanie zugeteilt. Im November 1933 wurde ich mit mehreren Häftlingen nach Burg Hohenstein verlegt.“

Im Januar 1934 wurde er der Staatsanwaltschaft in Leipzig übergeben und am 30.04.1934 aus Polizeihaft entlassen. Dabei wurden ihm Auflagen angeordnet: mehrfach musste er sich bei der Polizei im Heimatort melden und zwei SA-Leute als Gesellen in die Bäckerei einstellen. 1938 verstarb der Schwiegervater und Inhaber der Bäckerei, so konnte er fortan bei der Schweigermutter arbeiten.

1941 wurde auch er zum Kriegsdienst eingezogen. Er kam an die Ostfront, wurde dort verwundet und nach der Genesung an die Westfront versetzt. Im August 1944 lief er in Sankt Marlo mit 26 Mann über und ging in Gefangenschaft. Beim Überlaufen wurde er von einer Maschinenpistole getroffen und erneut verwundet. Er wurde ins Lazarett und anschließen in eine Gefangenenlager in Amerika gebracht.

Nach Kriegsende war das Gefangenenlager in Selbstverwaltung. Dort waren natürlich auch viele SS-Leute, die nun erneut ihre Macht ausübten. Gemeinsam mit politisch gleichgesinnten organisierte Hans Riedel über das Rote Kreuz die Entlassung nach Hause. Somit war Hans Riedel schon 1946 zu Hause. Er engagierte sich beim Aufbau vor Ort. Für seine Arbeit wurde er mit vielen Auszeichnungen und Ehrungen bedacht u.a. mit der Verdienstmedaille der DDR und der Ehrenmedaille des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR. Hans Riedel verstarb am 04.07.1988.

Text: Gisela Heiden aus den Erinnerungen ihres Großvaters, redaktionelle Bearbeitung: Anna Schüller

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