Appellplatz

1933-1934

Der Appellplatz war oft das erste, was die Häftlinge vom Lager sahen, bevor sie in die Schlafsäle oder in die Arbeitskommandos gebracht wurden.

Aus den ersten beiden Phasen des KZs ist ein Bericht vom Lagerleiter Max Hähnel über den Tagesablauf überliefert. Dieser deckt sich mit den Überlieferungen aus den anderen frühen Konzentrationslagern.

Demnach wurden die Häftlinge 6 Uhr geweckt, anschließend wurde 7 Uhr gefrühstückt und es folgte 07:40Uhr der Morgenappell auf dem Appellplatz. Die Häftlinge mussten dem Bericht nach anschließend in Arbeitskommandos bis 17:30Uhr mit Unterbrechung durch ein Mittagessen arbeiten. Nach dem Abendbrot wurde, so Hähnel, ein Abendappell angesetzt. Gegen 21 Uhr war die Nachtruhe. Im Bericht wird beschrieben, dass sich die Häftlinge Donnerstags politischen Unterricht im Sinne der Nationalsozialisten unterziehen mussten.
Staatsarchiv Chemnitz AH Flöha 30044, 2393, Bl. 130 – 133.; Drobisch, Wieland: System der NS Konzentrationslager 1933-1939., S. 115.

KZ Sachsenburg, aufgenommen von Gen. Rudi Seidel aus Chemnitz mit Teleobjektiv aus einem Versteck heraus.
Quelle: Deutsches Historisches Museum, Berlin

Die Zwangsarbeit, die die Häftlinge leisten mussten, erfolgte in Innen- und Außenkommandos. Die Innenkommandos wurden in den Werkstätten eingesetzt, wie der Buchbinderei, der Schuhmacherei, der Schmiede, der Schneiderei und der Schlosserei. Die Außenkommandos waren beispielsweise im nahe gelegenen Steinbruch eingesetzt.

1934 bis 1937

nachgebauter Prügelbock

Ab April 1935 wurde die „Disziplinar- und Strafordnung“ nach dem Modell des KZ Dachau eingeführt. Damit ging die offizielle Einführung der Prügelstrafe einher. Sie wurde seitdem auf dem Appellplatz vor den Augen aller Häftlinge durchgeführt. Der betroffene Häftling musste sich auf den eigens angefertigten Prügelbock legen und ihm wurde auf das Gesäß und den Rücken geschlagen. Dabei musste er die Schläge mitzählen, bis die verordnete Anzahl erreicht war. Wurde ein Schlag nicht gezählt, wurde mit der Zählung von vorn begonnen.

Wir mussten uns für einen besonderen Appell reinigen. Die Gefangenen-Kompanien wurden zu einem Viereck aufgestellt, eine Seite blieb frei. […] Zwei Häftlinge holten aus einem Schuppen einen Bock. Dieser wurde in die Mitte der offenen Reihe aufgestellt. […] Der Stab des Lagers mit dem Lagerarzt stellte sich unmittelbar in die Nähe dieses Materblocks. […] Der Offizier vom Dienst ließ die Häftlinge stramm stehen und die Augen der Häftlinge mußten nach der Schlagstelle ausgerichtet werden. Die Kompanien der SS wurden so verteilt, daß jeder von uns von hinten genaustens beobachtet werden konnte. […] Jeder der SS-Männer hatte einen frisch geschnittenen Haselnuß-Stock. Abwechselnd begannen die ersten Schläge. […] Während der Prügelstrafe fielen innerhalb der Kompanien Dutzende von Kameraden um und mußten weggetragen werden, was allerdings nicht durch Häftlinge geschehen durfte, dazu waren junge SS-Posten bestimmt.

Kohlsche, Kurt: So war es. Das haben sie nicht gewusst., S. 47.
Blick auf den Appellplatz von der Kommandantenvilla aus. Das Bild stammt aus dem Fotoalbum des Kommandanten Karl Otto Koch.
Quelle: Stiftung Sächsische Gedenkstätten

Wie der Appellplatz nach 1937 genutzt wurde, ist weitgehend unbekannt. Vermutlich als Hof für die Fabrik.

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