Wann merken wir, dass Außenseiter zu Verfolgten werden? – Rückblick auf Führung und Lesung

Führung zur Geschichte des KZ Sachsenburg Foto: Initiative Klick

Eine Gruppe von 25 Menschen versammelte sich am Samstag Nachmittag, den 02.12.2017 vor dem Imbiss mit seiner Ausstellung in Sachsenburg. Sie waren gekommen, um an einer Führung über das Gelände teilzunehmen. Eingeladen hatte der Verein LauterLeise e.V., die Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg e.V. und die Initiative Klick. Während der Führung berichtete auch eine Angehörige eines ehemaligen Häftlings über die Inhaftierung Ihres Vaters. Leider konnten wir die Kontaktdaten nicht mehr aufnehmen und bitten Sie herzlich sich bei uns zu melden, damit wir die Geschichte Ihres Vaters aufschreiben können.

Anschließend waren alle sehr durchgefroren und nahmen bei einer Tasse Tee in der Fischerschänke Platz. Nach einer Anmoderation durch Tina Pruschmann las Anna Schüller aus Häftlingsberichten. Aus unterschiedlichen Perspektiven wurden die gemeinsamen und unterschiedlichen Erlebnisse der Inhaftierung deutlich. Anschließend las Julian Aicher aus dem Buch seiner Mutter Inge Aicher-Scholl „Die weiße Rose“, wie Sophie und Hans Scholl in den Nationalsozialismus hineinwuchsen – Teil dessen wurden, sich aber nach und nach Widersprüche und Zweifel regten.

Lesung mit Michael Kraske, Julian Aicher und Anna Schüller Foto: Initiative Klick

Den Abschluss der dreiteiligen Lesung bildete Michael Kraske mit seinem Buch „Vorhofflimmern“: Leo und Andrea ziehen mir ihrem Sohn Milan nach Libbrehna, einem fiktiven Dorf, wie es überall in Sachsen sein könnte, auch in der Nähe von Chemnitz. Sie leben sich ein und Milan findet einen Freund. Doch dann werden die beiden von einer rechten Kameradschaft überfallen und es entspinnt sich die Frage, wie man mit diesem bisher unausgesprochenen Problem im Dorf umgeht. Doch die Ereignisse überrollen sie immer wieder – bis David spurlos verschwindet.

Während der Lesung wurden immer wieder Fragen zur aktuellen Gesellschaft aufgeworfen: Wann merken wir, dass Außenseiter zu Verfolgten werden? Woran erkennen wir Demokratiefeinde? Sollten wir uns nicht jetzt mehr engagieren und für eine Gesellschaft einsetzen, wo Demokratie und Menschenrechte von allen gelebte Werte sind?

In der sich anschließenden Diskussion entspann sich sehr schnell die Frage nach der zukünftigen Gedenkstätte. Dabei wurde von Frank Richter die Ablehnung des Antrages der Linken für einen Posten der Gedenkstätte über 20.000€ im Frankenberger Haushalt angesprochen. Die Lagerarbeitsgemeinschaft stellte einerseits dar, wie sehr sie sich seit Jahren engagiere und andererseits wenig Rückenhalt von der Stadt und den Frankenberger Bürgern erhalte. Anna Schüller machte deutlich, dass es vor allem eine Toilette und einen warmen Raum mit Strom brauche, um derzeit Bildungsangebote durchführen zu können. Der Vertreter vom Ortschaftsrat von Sachsenburg bot an, Wünsche für den Ausbau der Gedenkstätte an ihn zu melden, sodass diese auf die Wunschliste an die Stadt kommen. Dies sicherte ihm Anna Schüller zu. In den abschließenden Statements des Podiums wurde nochmals deutlich, wie viel der Artikel von Spiegel Online für die Gedenkstätte in Bewegung gebracht hatte. Anna Schüller gab einen Ausblick auf das kommende Jahr, bei dem ein Pfad der Erinnerung auf dem Gelände aufgestellt werden soll. Hier besteht die Idee eine Patenschaft für eine Stele zu übernehmen.

Julian Aicher und Anna Schüller im Gespräch während der Führung. Foto: Initiative Klick

Nach der Veranstaltung saßen noch einige Teilnehmer zusammen und diskutierten unterschiedliche Aspekte der Lesung. Julian Aicher bot an, zukünftig die Initiative durch Kontakte, Ideen und Erfahrungen zu unterstützen. Dies haben wir gern angenommen und freuen uns auf den weiteren Austausch. Eine Schülerin, die mit ihrer Familie an der Führung und Lesung teilgenommen hatte, möchte sich nun weiter mit dem Thema beschäftigen. Auch der Verein LauterLeise e.V. hat eine Rückblick gewagt und will gern wiederkommen.

Wir danken Michael Kraske, Julian Aicher und LauterLeise e.V. für die Initiative zu dieser Veranstaltung, durch die wir wieder einige Kontakte und Ideen für die Etablierung einer Gedenkstätte erhalten haben. Alle drei wollen gern im neuen Jahr für weitere Veranstaltungen wiederkommen. Wer also den gestrigen Tag verpasst hat, wird im neuen Jahr sicher noch einmal Gelegenheit haben an einer Lesung teilnehmen zu können.

 

Die Veranstaltung wird gefördert durch das Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen“